Tour de Ruhr – Tag 1

Es ist jetzt nicht die gleichnahmige Fernsehreihe aus Anfang der 80er gemeint, sondern meine Tour von der Ruhrquelle im sauerländischen Winterberg zurück nach Duisburg. Ausgerüstet mit Unterkunft, Küche und Bikeline-Karte hatte ich zwei Tage Zeit, um die ca. 230 km zu radeln. Mit zwei Etappen über 100 km auch eine persönliche Herausforderung an mich und meine Kondition bzw. Konstitution.

Aber mal von Anfang an

„Wie komme ich nach Winterberg ?“ – Diese Frage war schnell beantwortet: mit dem Zug. Ab Duisburg Hauptbahnhof bis Dortmund und dort umsteigen in den Zug nach Winterberg. 36 Euro für Fahrrad und mich sind ein moderater Preis. Das „SchönerTagTicket für Singles“ kann Samstags und Sonntags ab Mitternacht ganztägig genutzt werden (in der Woche erst ab 9 Uhr). Eine passende Zugverbindung war schnell gefunden, aber die erste Meile vom Wohndomizil zum Hauptbahnhof ging nicht per S-Bahn, da diese in den gesamten Sommerferien durch SchienenErsatzVerkehr (SEV) per Bus ersetzt wurde. Leider keine Fahrradmitnahme. Also um kurz vor vier Uhr aus dem Bett gequält, geduscht und letzte Sachen zusammengerafft. Nach dem Radel-Check dann los. So fing der Tag um fünf Uhr schon mit den ersten 10 km radeln an und die unter Druck, da ich mal wieder nur schleppend in die Gänge gekommen bin. Na ja – es kam wie es kommen musste, wegen einer baustellenbedingten Umleitung und dem daraus resultierenden Umweg sah ich meinen Zug noch wegfahren. Aber es hat ja alles einen tieferen Sinn (auch wenn man den nicht immer auf Anhieb erkennt). So konnte ich mit an einem der Verkaufsstellen in der Bahnhofshalle einen Kaffee – bekanntlich die wichtigste Mahlzeit am Tag – und ein Käse-Speck-Brezel einverleiben. Oben auf dem richtigen Bahnsteig angekommen, sah ich, dass es eine Alternative für das Teilstück nach Dortmund gibt.

So bin ich mit dem RegionalExpress durch das nördliche Ruhrgebiet nach Dortmund gekommen. Natürlich war der für die Weiterfahrt geplante Zug fahrplanmäßig schon weg, aber da diese Linie stündlich bedient wird, kein Ding. Hier hatte ich jetzt 40 Minuten Umsteigezeit anstatt der 13 Minuten mit der geplanten Konstellation. Das war auch gut, denn mein Rad war das erste in dem noch leeren bereitgestellten Zug. Minute für Minute wurde es voller und schon eine halbe Stunde vor Abfahrt war der Zustieg mit Rad kaum noch möglich. Wochenende, Wetter und Strecke ziehen Radler von Nah und Fern an – ist halt eine beliebte Route.

Die dreieinhalbstündige Anfahrt war angenehm und der Startpunkt des Ruhrtalradweges direkt am Bahnhof. GoPro am Lenker befestigt, die Bikeline-Karte in die Sichthülle gepackt und ab geht’s.

Es beginnt um halbzehn direkt mit einer knackigen längeren Steigung, die ich mich aber gut im kleinsten Gang meines Reiserades hochkurbeln konnte. Leider hatte ich vergessen, die GoPro mit dem Akku zu bestücken, so dass es von meiner heroischen Leitung keine bewegten Bilder gibt. In der Verschnauf- und Orientierungspause diesen Fehler gleich behoben. Bis zur Quelle war es angenehmes Fahren. Teils asphaltiert, teils Schotterweg – ein Weg, wie ich ihn mag.

Der in Stein gefasste Quellbereich war keine sprudelnde Quelle, sondern mehr ein tröpfelndes Etwas. Eigentlich wollte ich hier meine Wasserflaschen mit frischem Quellwasser füllen, aber dann würde ich noch immer dort stehen. Vor der ersten Überquerung der Ruhr mit offiziellen Schildern (!) hatte ich etwas Bammel. Was ist wenn ich mit den beiden Rädern dadurch rolle ? Liegen dann 230 km flussabwärts die Boote auf dem Trockenen, wenn ich den Fluss unterbreche ? Wenn es passiert sein sollte, dann „Entschuldigung“ ;-).

Nun ging es meist bergab weiter dem Bachverlauf folgend. Schon nach einigen Kilometern ist das Rinnsal zu einem Bach angewachsen, den man immer mal wieder überquert und der sich durch die wunderschöne Landschaft schlängelt. Spektakulär war dann ein Brand in einem im Tal liegenden Ortschaft. Dichte Rauchschwaden zogen in das Tal, in welches mein Weg führte. Aber die Kameraden der Feuerwehr waren Gott sei Dank bereits auf dem Weg.

Meine Wasserflaschen konnte ich in Olsberg, dem ältesten Kneippkurort Nordrhein-Westfalens, an einem Kneippbecken für die Arme endlich befüllen. Es steht zwar nicht dran, dass es Trinkwasser ist, aber uch nicht das Gegenteil. Geschadet hat’s nicht, dafür erfrischt. Das war auch bitter nötig, denn die Temperaturen stiegen rasant an. Die 30°C Marke rückte immer näher, was aber noch angenehm war.

Gegen 12 Uhr habe ich in den Ruhrauen bei Bestwig einen schönen Rastplatz direkt an der plätschernden Ruhr gefunden, der für eine Vesperpause ideal ist. Mehrere teils überdachte Sitzgelegenheiten mit Blick auf das Wasser – genial. Thunfischsalat und Brötchen hatte ich dabei und ließ es mir hier schmecken.

Frisch gestärkt radelte ich weiter in Richtung Meschede, Arnsberg und an Neheim vorbei. In Neheim fließ die Möhne in die Ruhr, nach dem sie ca. 6 km zuvor durch eine große Mauer zu einem See aufgestaut wird. Auf den Abstecher dorthin habe ich bewusst verzichtet, da mein Tagesziel noch ein gutes Stück entfernt lag.

Irgendwann sah ich einen Doppeldecker über mir seine Kreise ziehen bis dieser schließlich seine Kunstflugtauglichkeit vorführte. In Oeventrop führt der Ruhrtalradweg direkt an einem Flugplatz vorbei. An diesem Wochenende war dort Flugtag und mächtig was los. Für mich als Spotter auch noch ein zusätzliches Highlight.

Aber Oeventrop bleibt mir aus einem ganz anderen Grund positiv in Erinnerung, denn hier gibt es (so wie ich es erlebt habe) die einzige Möglichkeit entlang der Strecke, seine Wasservorräte kostenlos wieder aufzufüllen. Direkt an der Brücke steht ein Wasserspender. Hier habe ich dann wieder 2 Liter köstliches Nass gebunkert. Hier ist aus meiner Sicht noch viel Luft nach oben. Klar gibt es immer wieder schöne Lokalitäten, die zum Verweilen einladen und wo man sicher auch Wasser bekommt. Aber bei diesen Temperaturen würde das eine kostspielige Angelegenheit werden, wenn ich für jeden Liter Frischwasser etwas verzehren müsste.

Mittlerweile nach 15 Uhr habe ich dann mal den Campingplatz angerufen und mir ein Eckchen zum übernachten gebucht. Man versicherte mir, dass es bis 18 – 19 Uhr kein Problem sein. Sollte ich später eintreffen, sollte ich mich nochmals melden. Prima Service ! ! ! Noch war ich etwas über 45 km weg – also ca. 3 Stunden.

Die Temperaturen waren nun deutlich über 30°C und die Wasservorräte gingen erneut zur Neige. Weit und breit keine Möglichkeit kostenfrei an Wasser zu kommen. In einen Supermarkt wollte ich nicht unbedingt, da ich das Rad mit Gepäck nicht so allein rumstehen lassen wollte. 15 km vor dem Ziel steuerte ich eine Tankstelle an. Für 4 Euro konnte ich dann eine 1,5 Literflasche stilles Wasser und einen halben Liter Cola Zero erstehen. Bei dem Preis erwartete ich im Minimum die wundersamen Fähigkeiten der Quelle von Lourdes. Wäre mit überschreiten der 100 km Marke (zuzüglich der 10 km vom Morgen) auch langsam von Nöten.

12 km vor dem Campingplatz Ruhrtalblick habe ich dann nochmal telefonisch gegen Zwanzig nach Sechs meine voraussichtliche Ankunftszeit auf 19 Uhr festgelegt. Dieses konnte ich dann auch einhalten. Von den überaus freundlichen und hilfsbereiten Betreibern wurden mir einige Stellplätze gezeigt und das für mich ideale Fleckchen war schnell gefunden. Angemeldet und drei alkoholfreie Weizenbiere für den Abend weiter, machte ich mich ans Aufbauen und Einrichten meines Schlafgemachs. Eines der Biere gab es auf meinen neuen Streckenrekord. Da es schon dämmerte habe ich vorerst auf das Duschen verzichtet, denn in der Dusche ist Licht, aber in der Freiluftküche nicht. Auf dem Trangia brutzelte ich mir Sucuk (eine türkische Knoblauchwurst) mit Zwiebeln an. Wohlweislich habe ich das am Vortag zuhause vorbereitet und vakuumiert. So brauchte ich nicht noch schnipseln. Dazu gab es Linsennudeln und als Sauce gehackte Tomaten. Mega lecker – zwei ordentliche Portionen machten mich satt und zufrieden. Dazu Bier Nr. 2. Nach dem Abwasch ging es dann endlich unter die Dusche – hat das gut getan. Raus aus den verschwitzten Radelklamotten unter die warme Dusche.

Da mittlerweile die Nachtruhe auf dem Platz galt und die einzigen Zeltnachbarn schon schliefen, habe das letzte der glorreichen drei Biere unter dem Sternenhimmel beim Betrachten des letzten Teils von Rainer Dornburg’s Murr Radweg Reisebericht auf dem Handy (mit Ohrhörern versteht sich) genossen.

Gegen 23 Uhr habe ich mich dann zum ersten Mal überhaupt in das Snugpak Stratophere abgelegt.

Aber dazu mehr in der Fortsetzung.

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