Tour de Ruhr – Tag 2

Moin, um 0630 Uhr bin ich dann nun richtig wach. Hatten mich unschöne Krämpfe in den Oberschenkelinnenseiten zunächst am Einschlafen gehindert. Als passionierter Seitenschläfer ist es mir schier unmöglich, auf dem Rücken liegend in den Schlaf zu kommen. Jedesmal wenn ich mich zur Seite drehen wollte, dann war er da, der Krampf. Kurz vor eins hatte ich dann gewonnen und bereiste Schlummerland.

Als erstes möchte ich anmerken, dass es sich – abgesehen von den Krämpfen – in dem kleinen Biwakzelt sehr gut schlafen lässt. Es ist natürlich beengt und Platz ist nur für mich und die Lenkertasche mit den Wertsachen. Alles andere blieb am Rad. Für die schnelle Übernachtung ohne Schnickschnack ist das Snugpak Stratosphere genial. Leicht und winziges Packmaß – genau das habe ich erwartet. Aber wenn es mehr als um eine Übernachtung geht, dann ist es mir dann doch zu spartanisch. Selbstkasteiung zählt nicht wirklich zu meinen Hobbys.

Ab auf‘s Klo und unter die Dusche. Schließlich hatte ich wieder über 100 Kilometer vor mir. Deshalb wollte ich zeitig los. Aber was bedeutet schon ein Plan, den man nicht verwirft ?

Während das Kaffeewasser auf dem Trangia anbrennt, habe ich schon Schlafsack und Biwak in die noch spärlich scheinende Sonne zum Trocknen gelegt. Sucuk mit Zwiebeln und Rührei, dazu Brötchen und Tass‘ Kaff‘ – wie man hier bei uns im Pott so sacht 😉 – sollten die klimafreundliche Energie für den beidseitigen OSA (OberSchenkelAntrieb) liefern.

Aus „früh“ wurde so mal wieder 10 Uhr 😳. Telefonisch wurde mir eine freudige Überraschung mitgeteilt. Ein unter anderem Radlerfreund wollte das tolle Wetter und die Gelegenheit nutzen und mir mit seinem neuen E-Bike von Essen Kettwig entgegen radeln. Das beflügelte mich noch mehr, schließlich wollte ich nicht abloosen. Aber bei den regelmäßigen Wasserstandsmeldungen kam er schneller voran. Aber zu meiner Entlastung: er ist auch vor mir gestartet.

Zum Campingplatz „Ruhrtalblick“ ist zu sagen, dass er eine 100%ige Empfehlung von mir bekommt. Saubere Sanitäranlagen, freundliche Betreiber und eine tolle Lage. Preis und Leistung sind top.

Kilometer um Kilometer geht es die Ruhr hinab. Wunderschöne Landschaften, aber zunehmend auch die Nutzung der Ruhr durch Gewerbe und Industrie. Der Radweg ist prima zu fahren und gut beschildert.

Am Hengsteneysee gönne ich mir ein leckeres 🍦 bevor es weiter geht. Es macht sich nun bemerkbar, dass es Sonntag ist. Die Wege werden voller und die Schwimmbäder an und neben der Ruhr füllen sich stetig. So ist es am späten Vormittag bereits über 30° Celsius warm. Wasser geht durch wie nichts und jede Gelegenheit welches zu bunkern wird genutzt.

In Bochum Stiepel wartete er schon eine Weile im Biergarten auf mich. Schnell eine große Flasche Wasser und ein alkoholfreies Weizen gelenzt, Wasser für unterwegs gebunkert und dann ging es schon wieder weiter. Jetzt kurbelten wir gemeinsam die Ruhr hinab. In der Führung wechselten wir uns ab und fuhren schon einen guten Schnitt. Meine Vorurteile gegen E-Bikes werde ich nochmal auf den Prüfstand stellen, aber das einanderes Mal.

An einer einsam am Weg gelegen Bank wartete eine weitere Überraschung auf mich. Andreas zog ein wohltemperiertes alkoholfreies Bier aus seiner Satteltasche, in der sich eine Kühltasche verbarg. Ich weiß nicht was göttlicher war, die Blicke vorbeiradelnder Zeitgenossen oder das kühle Nass.

Weiter ging es bis an den Baldeneysee, an dessen oberen Ende ein toller Biergarten mit Frittenstation lag. Da ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte, waren die Energiespeicher leer. Pommes rot-weiß Spezial – ja, danach schrie mein Körper förmlich. Dazu ein alkoholfreies Radler.

Wenn ich mit Andreas unterwegs bin und das bin ich gerne, dann jagt ein kulinarisches Highlight das nächste. Die Eisdiele „Kika“ in Essen Werden lag einfach zu nah am Weg und Eis geht immer. Dieses hier besonders. Megalecker.

Die vertane Zeit vom Morgen fehlte nun und die Dämmerung setzte so langsam ein und die Lust auf den Mintarder Berg verabschiedete sich immer schneller werdend. Dafür machte sich mein Gesäß (ja, ich kann auch vornehm) immer mehr bemerkbar. Da Andreas sein Auto in Essen Kettwig geparkt hatte, verabschiedeten wir uns dort und ich nahm die S-Bahn um den Anstieg zu überwinden. Zwei Stationen weiter, aber gar nicht näher am Ziel, stieg ich in Ratingen Hösel wieder aus. Über Ratingen Lintorf und den Druchter Weg kam ich um 21 Uhr, zwar mit geschundenen Hinterteil, aber dennoch glücklich und höchst zufrieden daheim an.

Fazit der Tour:

Jeden Tag über 100 Kilometer geht zur Zeit und ich denke auch auf nicht absehbare Zeit über meinen Leistungsstand hinaus. Zwei Tage waren schon grenzwertig, aber bitte wie solle es dann bei 5, 10 oder noch mehr werden ? Nein, ich muss hier meine Grenze erkennen und meine Planungen grundlegend überdenken. Es soll ja kein Abspulen von Kilometern werden, sondern noch Spaß machen.

Morgens muss ich einfach besser organisiert in den Tag kommen und nicht die Zeit vertrödeln, die mir am Ende fehlt. Das Frühstück machen auf dem Zeltplatz ist zeitraubend. Mit Spülen und wegpacken geht mir da die meiste Zeit ab. Kaffee muss sein, das ist Fakt. Aber wo ich mich wasche, da gibt es Strom. Wo Strom ist, da ist auch eine Steckdose. Während ich mich herrichte, koche ich mittels Tauchsieder Wasser auf und schwups – Kaffee fertig ☕️.

Auf meiner anstehenden Tour über 4 Tage und 300 Kilometer kann ich es direkt mal testen.

P.S.: Hierzu wird es in Kürze auf meinem YouTube-Kanal ein zweiteiliges Video geben. Aber ich nutze aktuell das Wetter und radel lieber noch. Die schmuddeligen Herbst- und Wintertage kommen bestimmt.

Ein Kommentar zu „Tour de Ruhr – Tag 2

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  1. Dein schöner Bericht ist sehr Inspirierend für mich den Ruhrtalradweg ( auch wenn du den Weg nicht ganz zu Ende gefahren bist ) mit nur einer Übernachtung zu fahren…Die Tour werde ich bestimmt nächstes Jahr fahren…gruss Micha

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