Bergischer Panorama-Radweg

… stand schon lange auf meiner Agenda. War diese Tour als Tagestour mit Zuganreise bis Olpe und Rückfahrt ab Solingen gut zu schaffen. Aber als die Idee in meinem Kopf entstanden ist, kam man nur bis Finnentrop. Danach war „Schienenersatzverkehr – SEV“ angesagt. Damit war die Tour 30 Kilometer länger und nicht meinem Fitnessgrad entsprechend.

Da meine Ederradtour als mehrtägige Radtour Covid-19 zum Opfer gefallen ist und es gerade mal wieder möglich war, auf einem Campingplatz unter zu kommen, war die Tour gedanklich schon fertig. Drei Campingplätze auf der Strecke angefragt und zwei Zusagen und eine Absage bekommen. Die Absage war der Mittelpunkt der Tour – Mist. Aber in Attendorn am Biggesee hatte ich eine Zusage und in Solingen an der Wupper gelegen. Passt. Die Vorfreude war groß, bis sich die Wetterlage in Richtung Gewitter und Unwetter änderte. Mehrfach täglich in die verschiedenen Wetter-Apps geschaut. Es ist schon erstaunlich, denn je länger man sucht, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass eine App das gewünschte Ergebnis liefert.

Mein neuer Plan sollte es sein, dass ich dem aus Osten kommenden Tief in Richtung Nord-Westen davonfahre. Je früher ich in Attendorn wegkäme, umso mehr Vorsprung hätte ich. Eine Challenge zwischen Petrus und mir.

Freitagnachmittag nach der Erledigung der häuslichen Pflichten ging es mit S-Bahn und Regionalzug über Essen nach Finnentrop. An diesem Ort war ich kürzlich erst, als ich mich auf den Sauerlandradring begeben hatte. Flugs ging es auf die Piste, die ein wirklich toller Radweg war. Fast durchgängig Radweg abseits von Straßen und das Stück über die Landstraße bei Finnentrop war okay. Natur pur und damit ein toller Start in ein langersehntes Campingabenteuer. Ankunft in Attendorn und dann eine böse Überraschung: langer Anstieg zum Campingplatz. Teils getröttelt, teils geschoben – aber irgendwann oben angekommen. Glücksgefühl stellte sich ein.

Aber das war aber direkt wieder verflogen, denn die Rezeption des Platzes war seit 15 Minuten geschlossen. „Sind Sie angemeldet ?“, hörte ich eine Stimme aus dem Hintergrund fragen. Aus dem Auto sprach mich die Dame des Platzes an. „Ja“ antwortete ich. „Wir haben aber für heute niemanden mehr auf der Liste“. Ups – mein Entsetzen wurde sprunghaft größer. „Aber kein Ding, 15 Euro und gut ist.“ Puh, noch zwei große Flaschen Wasser dazu für einen Zwanziger, Passt.

Die Zeltwiese direkt in Zufahrtsnähe war perfekt. Leicht abschüssig, aber okay. Nach einem Rundblick habe ich mich für ein Plätzchen am oberen Ende an der Hecke entschieden. Direkt wurde ich von meinem Nachbarn begrüßt. Ein ehemaliger Radreisender, der nun lieber wandert aus Duisburg. Klein ist die Welt. Ratzfatz war meine Behausung errichtet und die Schlafstätte eingerichtet. Auf den Trangia habe ich bei dieser Tour bewusst verzichtet, hatte ich doch noch daheim zu Mittag gegessen. Der Eismann, der 15 Meter von meinem Domizil weg anhielt, hatte den Nachtisch – dreimal Waidmeister mit Sahne und Schokosauce – mjam mjam mjam.

Danach kam mein McKinley Campingstuhl erstmals so richtig zum Einsatz. Mit einem Faxe (belgisches Lagerbier in der oppafreundlichen 1l-Dose) genoss ich die Abenddämmerung und ließ es mir einfach nur gutgehen. Ein Telefonat mit Lars (von Lars radelt), der im Osten zur Zeit im Spreewald unterwegs war und aus Solingen stammt sowie einen Gruß an meinen Freund Fred, der irgendwo im Südwesten unterwegs war – so beendete ich den Tag.

Für ein 2P-Zelt kann man das Vango F10 Helium ultralight nicht wirklich halten, war es doch der Zwerg unter den Zelten auf dem Platz. Aber mit nur leichtem Gepäck ist es top. Mit meinem Mini-DAB-Radio war für Entertainment gesorgt und eine Mini-LED-Lampe aus dem Sortiment eines Kaffeerösters verschaffte mir Erleuchtung. So dauerte es auch nicht lange, bis ich Morpheus Armen lag. Um 0300 Uhr wurde ich jäh durch Windböen geweckt. Aber nach nur 30 Minuten war es plötzlich wieder absolut windstill. Gut so. Bis 0530 Uhr döste ich noch vor mich hin.

Als erster war ich morgens im Duschbereich. Habe die Maske nur für mich getragen, wobei das Zähneputzen schon schwierig damit ist. Nee, Spaß beiseite: Auf dem Campingplatz hat jeder seinen Abstand gehalten, es sein denn man gehörte eh zusammen. Aber auch so kam man sich nicht wirklich nahe. Passt also.

Neben Rasieren und dem besagten Zähneputzen per Tauchsieder die wichtigste Mahlzeit des Tages zubereitet – richtig: den Kaffee ! ! !

Flux dann die Schlafstadt wieder in die Satteltaschen verbracht, zum Abschied noch ein Käffchen mit dem auch packenden Nachbarn getrunken und dann ab zum Biggesee.

Über die Staumauer und dann entlang des Ufers ging es dann mit einem Blick auf die Listertalsperre nach Olpe. Es begann zu fisseln – Mückenpisse, wie man bei uns sagt. Sollte Petrus die Challenge etwa gewinnen ? Ab Olpe sollte es trocken bleiben und sogar aufklaren. Perfektes Radelwetter. Aber noch immer kamen Gewitterwarnungen über’s Handy rein.

Ab Olpe Bahnhof war ich dann auf dem „Bergischen Panorama-Radweg“ unterwegs. Bahntrassenradeln vom Feinsten. Von Olpe bis nach Hattingen misst dieser Radweg 133 Kilometer, von denen 89 über ehemalige Bahntrassen führen. Tolle Tunnel inklusive, wie den bekannten Fledermaustunnel bei Wegeringhausen. An der malerisch gelegenen Aggertalsperre geht es noch gemütlich vorbei, bevor zwischen Lantenbach und Dannenberg die erste Schiebestrecke des Tages kam. Bis zu 14%-Steigung sind dem Oppa zum Kurbeln zuviel, aber schieben ist keinesfalls besser. 180 Höhenmeter auf 5 Kilometer verteilt haben mich fast eine Stunde gekostet. Oben gab es dann erstmal Frühstück, um die Speicher wieder aufzuladen. Bergneustadt, Marienheide, Wipperfürth, Hückeswagen und Wermelskirchen lagen auf meinem Weg. Der bis auf wenige kleinere Schiebepassagen gut zu fahren ist.

Mahlzeit 😋

Unterwegs habe ich auch die ein oder andere Radelbekanntschaft gemacht. Bei meiner Frühstückspause traf ich auf ein älteres Ehepaar, die aus Solingen kamen, und weiter dann auf eines aus Gummersbach. Ein kurzer Plausch und Tipps für die vor einem liegende Wegstrecke, dann ging es weiter. Besonders aber möchte ich die „Nature Boys“ erwähnen, denen ich an einer der besagten „kleineren Schiebestrecke“ zum ersten Mal begegnet bin. Sie kamen auch vom Biggesee und waren auf der gleichen Route unterwegs, haben aber den großen Anstieg irgendwie umfahren. Gut gelaunt kamen wir ins Gespräch, fuhren ein Stück miteinander, bevor die Jugend dem alten Mann davonfuhr. Umso größer meine Überraschung, als wir uns wieder an einer langen Steigung hinter der Müngstener Brücke* wiedertrafen. Sie überholten mich, da sie in Solingen Burg* pausierten. Das war uns am Ende der letzten großen gemeinsam radelnderweise bezwungen Anhöhe ein Foto wert. In Solingen mit Erreichen der Korkenziehertrasse trennten sich unsere Wege endgültig, da die Jungens bis Essen radeln wollten, von wo aus sie Fronleichnam Richtung Biggesee gestartet sind.

Die „Nature Boys“ on Tour

*) Anmerkung: Schloss Burg ist eine rekonstruierte Höhenburg im Solinger Stadtteil Burg an der Wupper. Die Anlage war seit dem 12. Jahrhundert die Stammburg der Grafen und späteren Herzöge von Berg und ist heute das Wahrzeichen des Bergischen Landes. Die Müngstener Brücke ist Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke aus dem Jahre 1897 und noch immer in Betrieb.

Erwähnen möchte ich noch die Schwebefähre zwischen Schloß Burg und der Müngstener Brücke, denn diese muss man unter Anleitung eines Fährmannes selbst mit Muskelkraft bedienen. 6 Personen dürfen mit und das ist gut so, denn es muss wie an einer Draisine gepumpt werden. Ich war leider mit dem jungen Fährmann alleine – danach braucht man kein Fitness-Studio mehr.

Durch Solingen ging es noch auf und ab, aber schließlich war der Hauptbahnhof Solingens erreicht, ich stieg in die S1 und fuhr die 16 Stationen nach Hause.

107,8 Tageskilometer waren geschafft und ich auch.

Hier geht es zu den beiden Videos zu dieser Tour:

Die Anreise zum Campingplatz und zum Anfang des „Bergischen Panorama-Radweges“
UNterwegs auf dem „Bergischen Panorama-Radweg“

Liebe Grüße – Euer Harry

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